Folgen der Digitalisierung für Schule und Schüler

Kloster Höchst

Hauptreferat zur Digitalisierung in Schulen und Schülerschaft

Hintergrund: Im Mittelpunkt der Konferenz im Kloster Höchst stand die Frage, inwieweit digitale Medien die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen prägt und welche Auswirkungen die Digitalisierung für die Schulentwicklung hat.

Ziel des Vortrags: Nachdem einleitend grundlegende Aspekte der Digitalen Kommunikation behandelt wurden, gab der Vortrag einen Überblick über die besondere Bedeutung, die Digitale Kommunikation für Jugendliche hat.

Die große Leidenschaft, mit der sich die junge Generation der Digitalisierung hingibt, hat ihr den Spitznamen Digital Native beschert. Im Unterschied zu älteren Analog-Generationen, die das Internet als digital Einwanderer nie völlig verstehen können, seien die Jungen digitale Eingeborene im digitalen Heimatland. Gleichzeitig sind Digitale Natives, so die verbreitete Sorge unter Eltern und Lehrern, jedoch auch digital naive.

Vortragsauszüge:

„Das Ehepaar Haeusler, das unter dem Titel Netzgemüse ein wunderbares Buch über die Digitalisierung der jungen Generation geschrieben hat, bezeichnet das Internet in diesem Zusammenhang als Beispiel für Montessori-Pädagogik: „Ich helfe Dir, Dir selbst zu helfen.“ Da ist es übrigens spannend, einen Blick darauf zu werfen, welche Rolle die Montessori-Pädagogik bei der Entwicklung des Internet spielt. Berühmte Montessori-Schüler sind Jimmy Wales, Gründer der Wikipedia. Lary Page und Sergey Brin sowie Jeff Bezos, der Gründer von Amazon.“

„Die Digitalisierung kann Schülern sehr konkrete Lernhilfe leisten. So wissen wir, dass wir alle in unterschiedlichen Geschwindigkeiten lernen, bei den Lehrern in der Schulklasse können wir jedoch nicht einfach auf den Pause-Knopf drücken, wie bei einem Lehrvideo auf Youtube.
Kinder und Jugendliche nutzen YouTube nicht nur, um sich die zehn lustigsten Katzenfilme anzusehen – was sie natürlich auch mit Genuss tun, sondern auch dafür, sich alle möglichen Themen aus der Schule und anderen Bereichen erklären zu lassen. Wenn sie in der Schule nicht verstanden haben, wie man den Umfang eines Kreises berechnet, suchen sie sich ein passendes Video raus.“

„Technologien verändern auch die Art und Weise, wie sich Schüler gegenseitig Schaden zufügen können. Es sind allen voran SOZIALE Medien, die derart gestaltet sind, dass der Schutz der eigenen Privatsphäre immer schwieriger wird und Mobbing hingegen erleichtert. Auch wenn Smartphones und das Internet selten Auslöser für Mobbing-Angriffe sind, die ihren Ursprung eher in der Offline-Welt haben, erleichtern sie die Verbreitung und das Mitmachen bei aggressiven Angriffen. Smartphone und das Internet scheinen darüber hinaus die Hürden für Täter und Mittäter zu senken und Mitgefühl oder Reue zu erschweren. Aktuelle Untersuchungen kommen darüber hinaus leider zu dem Ergebnis, dass Mobbing-Opfer die Angriffe im Internet teilweise noch schmerzhafter wahrnehmen als physische Aggressionen. Virtualität im Internet heißt eben nicht Abwesenheit von Gefühlen.“

„Damit Lehrkräfte die Risiken der Digitalisierung mindern und ihre Potentiale optimal heben können, müssen sie zunächst verstehen, wie Schüler und Schülerinnen ihre digital angereicherte Welt erleben, wie sie sich darin verhalten und wie digitale Lernprozesse aussehen. Die Schule steht dabei gewissermaßen vor einem Dilemma. Sie muss auf die Potentiale der digitalen Kommunikation setzen und den Prozess des Lernens und die Wissensvermittlung an neue Möglichkeiten anpassen. In einer digitalisierten Schule stünde weniger der physische Raum im Vordergrund als vielmehr ein Netzwerk, in dem sich flexible Gemeinschaften bilden, in denen Schüler kooperativ miteinander lernen und Wissen frei zirkuliert.
Gleichzeitig sollte die Schule einen Schonraum bieten, der eine konzentrierte Lernathmosphäre schafft, ohne dauerhafte Ablenkung durch die allgegenwärtige Vernetzung und ständige Nachrichten. In diesem Schonraum werden die dynamischen Potentiale der Digitalisierung zwar vermittelt, gleichzeitig jedoch die negativen Aspekte der Digitalisierung ferngehalten und eine ruhige Entwicklung ermöglicht.“